Ruhrwerk

  • Eine Stunde Arbeit der Zukunft,
  • ein Tag Leben in den Städten,
  • ein Jahrhundert Geschichte des Reviers,
  • ein Erdzeitalter an der Ruhr...

Ruhrwerk

von Klaus Armbruster und Wolfgang Hufschmidt mit Texten von Bertold Brecht

Die Jahrhunderthalle in Bochum, Kathedrale industrieller Produktion, wurde zum Schauplatz eines multimedialen Gesamtkunstwerkes von bis dahin nicht gekannter Dimension:

Umhüllt von einem musikalisch vielschichtigen Klangraum im Acht-Kanal-Ton, der die riesige Halle erfasste, tauchten bis zu 1200 Besucher ein in fünf gewaltige Video-Projektionen und deren Spiegelung auf Kohle, Wasser, Stahl und Opera-Folie.

Digitale Bild- und Klangwelten verschmolzen mit dem Spiel der Instrumentalsolisten, Sprecher und des Knabensoprans.

Mit RUHRWERK griffen der Medienkünstler Klaus Armbruster und der Komponist Wolfgang Hufschmidt ein Idee auf, die Bertolt Brecht, Kurt Weill und den Filmregisseur Carl Koch schon 1927 aus Berlin ins Ruhrgebiet geführt hatte.

„Das Ruhrepos soll sein ein künstlerisches Dokument des rheinisch-westfälischen Industrielandes,

seiner eminenten Entwicklung in Zeitalter der Technik, seiner riesenhaften Konzentration werktätiger Menschen und der eigenartigen Bildung moderner Kommunen.“ (Bertolt Brecht)

Deren „Ruhrepos“ sollte im Zusammenwirken von Theater, Musik und Film neue Perspektiven der Bühnenkunst eröffnen.

Es konnte damals nicht verwirklicht werden. Klaus Armbruster und Wolfgang Hufschmidt versetzten das Projekt als digitale Zeitreise in die Gegenwart der Jahrtausendwende und damit in eine für Brecht, Weill und Koch nicht vorhersehbare Zukunft. Das Dröhnen der Maschinen war dem Flimmern der Bildschirme gewichen. Die Städte, Fabriken und das Land an der Ruhr trugen die Spuren historischer Verwerfungen und Zeichen zukünftiger Entwicklungen wie kaum eine andere deutsche Region.

Das Ruhrgebiet war zum Brennpunkt existentieller Menschheitsfragen geworden:

Arbeit und Kultur, Armut und Reichtum, Krieg und Frieden, Aufbau und Zerstörung, Beständigkeit und Wandel.

Diese Entwicklung künstlerisch zu reflektieren, war die Heraus-forderung, der das RUHRWERK sich stellte.

Vier Grundthemen – die Arbeit, die Städte, die Geschichte, das Projekt – werden in vier musikalischen Satzgliedern aufgenommen und kompositorisch entfaltet. In der Bildwelt finden die vier musikalischen Themen ihre Entsprechung auf vier Zeitachsen.

Eine Stunde Arbeit der Zukunft: Das RUHRWERK spiegelt den hochtechnisierten Produktionsprozess der „Zukunftsindustrie“, die sich im Ruhrgebiet entwickelt.

Ein Tag Leben in den Städten: 24 Stunden sind das Zeitmaß für die Bewegung des Lebens. Stimmungen und Bedingungen in einem sich ständig verändernden städtischen Umfeld werden in Videosequenzen montiert, Menschen, die im Ruhrgebiet leben, rund um die Uhr mit der Kamera begleitet.

Ein Jahrhundert Geschichte des Reviers: Das ist der Zeitraum, der die spezifische Ausprägung der Region erfasst, die industrielle Entwicklung, zwei Weltkriege, Zerstörung und Neubeginn. Das heterogene Bildmaterial – von frühen Schwarz-Weiß-Fotografien der Jahrhundertwende über Film- und Videoaufnahmen bis hin zu den digitalisierten Bildern der Gegenwart – wird in der elektronischen Bildbearbeitung künstlerisch verbunden.

Texte von Bertolt Brecht, die im Zusammenhang des „Ruhrepos“-Projektes entstanden, und Berichte von Zeitzeuginnen sind in die Bild- und Klangmontage eingebunden und treten in spannungsreiche Beziehung zu den historischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen der Menschen, die im Ruhrgebiet leben und arbeiten.

Am Schluss des RUHRWERK stellt der Knabensopran das Vermächtnis Bertolt Brechts als „Adresse des sterbenden Dichters an die Jugend“ den offenen Fragen der Gegenwart gegenüber und fordert die junge Generation auf, „die Städte bewohnbar zu machen.“

 

So schließt sich der Kreis zwischen der faszinierenden Idee aus den Zwanzigerjahren und dem kühnen Projekt, das Klaus Armbruster und Wolfgang Hufschmidt als zeitgenössisches Gesamtkunstwerk wagten.

Fünf Bildspuren Digital-Betacam

Projektion auf Kohle-Wasser-Becken , Stahlplatten und Opera-Folien

Acht-Kanal-Ton

Zwölf Instrumentalsolisten

Zwei Sprech-Stimmen

Ein Knabensopran

Länge: 77 Minuten

Welturaufführung: 11.September 1998

Jahrhunderthalle Bochum

Galerie

Projektreferenzen

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Portfolioauszug

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